St. Peter - Lindenberg: Mitfühlend sein – politische Mystik entdecken
04. Dez 2026 – 18:00 Uhr
bis 06. Dez 2026 – 13:00 Uhr
, Haus Maria Lindenberg
Anmeldungen erbeten an:
Carmen Piazzi. Verwaltung. Telefon: +49 761 5144 228 · carmen.piazzi@seelsorgeamt-freiburg.de. Erzbischöfliches Seelsorgeamt. Abt IV-Sozialpastoral.
pax christi-Friedensmeditation zu Etty Hillesum unter der Leitung von Dr. Thomas Wagner (Berater, Trainer, Meditationsbegleiter aus Frankfurt)
Friedensarbeit mit langem Atem braucht Zeiten und Orte der Neuorientierung und Ermutigung. Friedensmeditationen als Wochenendseminare sind solche spirituell-politischen Tankstellen. Der pax christi-Diözesanverband Freiburg bietet deshalb seit 2015 gemeinsam mit dem Exerzitienangebot im Haus Maria Lindenberg (bei St. Peter) regelmäßig im Advent eine Friedensmeditation an.
Im Mittelpunkt steht jeweils ein Mensch, der vorbildlich ein Leben in und für Gerechtigkeit lebte.
In diesem Jahr möchten wir uns unter der Leitung von Dr. Thomas Wagner (Haus am Dom, Frankfurt) mit Etty Hillesum beschäftigen.
Mit ihr können wir eine politisch engagierte Mystik und eine mitfühlende Lebenshaltung entdecken. Ihre Tagebuchaufzeichnungen beinhalten eine tiefe Spiritualität und eine Ethik des Mitgefühls, der Achtsamkeit und des Lachens, die unsere Begrenzungen anerkennt und unsere Potenziale wertschätzt. Eine Kraftspenderin und Mutmacherin in unseren Krisenzeiten! Es tut gut sie kennenzulernen.
„Das Leben und das Sterben, das Leid und die Freude,
die Blasen an meinen wund gelaufenen Füßen und
der Jasmin hinterm Haus, die Verfolgungen, die zahllosen
Grausamkeiten – all das ist in mir wie ein einziges
starkes Ganzes, und ich beginne immer mehr zu
begreifen, wie alles zusammenhängt, ohne es bislang
jemandem erklären zu können. Ich möchte lange leben,
um es später doch noch einmal erklären zu können,
und wenn mir das nicht vergönnt ist, nun, dann
wird ein anderer mein Leben von dort an weiterleben,
wo das meine unterbrochen wurde.“
Etty Hillesum
Mitfühlend sein
„Das große Leid überall treibt einen dazu, sich zu schämen, dass man sich selbst mit all seinen Stimmungen so ernst nimmt. Aber man
muss sich selbst weiterhin ernst nehmen, man muss selbst im Mittelpunkt bleiben
und versuchen, mit allem, was in der Welt geschieht, fertig zu werden … und
vielleicht findet man die Antwort auf einige dieser Fragen nicht nur für sich
selbst, sondern auch für andere“, schrieb die holländische Jüdin Etty Hil-
lesum (1914–1943) in ihr atemberaubendes Tagebuch. Die Slawistik- und
Psychologiestudentin Etty Hillesum begann im März 1941, mitten im Zweiten
Weltkrieg und der Judenverfolgung in den besetzten Niederlanden mit
Tagebuchaufzeichnungen, die sie bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz
fortführte. Je mehr ihr äußerer Lebensraum durch Schikanen der Nazis
eingeschränkt wurde, um so reicher gedieh ihre mystische Tiefe und Klarheit:
innere Lebensbejahung, Feindesliebe, Blick für das Schöne inmitten des Grauens
und der Gewalt, Solidarität mit den Leidenden, Freude, Nächstenliebe,
Geborgenheit in Gott.
Ihr engagiertes Dasein als junge jüdische Frau kann uns zu
einer mitfühlenden Lebensaufgabe inspirieren. Wie können wir uns engagieren für
eine Welt, die zärtlicher und gerechter sein wird? Wie können wir uns schützen,
um einen gesunden Lebensrhythmus einzuüben? Die Worte, die Etty Hillesum in ihr
Tagebuch schrieb, können uns für diese Gratwanderung eine Spur aufzeigen:
„Ich ruhe in mir selbst. Und jenes Selbst, das Allertiefste
in mir, in dem ich ruhe, nenne ich Gott ... man möchte ein Pflaster auf vielen
Wunden sein.“